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< Wimdertrunk vom 26. November 2017 - Referat von Dr. Alois Grichting
28.11.2017 08:16 Alter: 13 days

a.o. Burgerversammlung mit Wimdertrüch vom 26. November 2017


In der vollbesetzten historischen Burgerstube des Rathauses Leuk fand am vergangenen Sonntagnachmittag unter der Leitung von Burgermeister Adalbert Grand die a.o.Burgerversammlung mit dem traditionellen „Wimdertrüch“ der Burgerschaft Leuk statt.

Burgermeister Adalbert Grand konnte unter den Anwesenden auch Gemeindepräsident Martin Lötscher,  Ehrenburger Herbert Dirren und auch zahlreiche Neuburger begrüssen, die grösstenteils den Weg der erleichterten Einburgerung beschritten. 

 

In einem ersten geschäftlichen Teil wurden der Versammlung Informationen vermittelt über den Stand der laufenden Projekte. Das Wegprojekt Bochtür, welches in die Schutzverbauungszone oberhalb der Meschler-Weiden führt, konnte abgeschlossen werden. Im Weiteren das Projekt Aufschüttung „Chrizmatte“, das Boden dem interessierten Gewerbe im Baurecht, zu günstigen Konditionen, zur Verfügung gestellt wird. Ausführlich wurde das Thema der „Erleichterten Einburgerungen für Ehegatten“ und die Tarife für „Einburgerungen“ besprochen und beschlossen. Das Burgerreglement mit der Tariftabelle ist jederzeit auf der Homepage der Burgerschaft Leuk www.burgerschaft-leuk.ch einsehbar. Burgermeister Adalbert Grand stellte zahlreiche Neuburgerinnen und Neuburger vor, sie wurden mit Applaus begrüsst. Ihre Aufnahme wurde bereits an einer früheren Versammlung beschlossen. Ein wichtiges Geschäft war dann der Unterstützungsbeitrag von Fr. 60‘000.-- an die Einwohnergemeinde Leuk zum Ausbau des Rathausplatzes. Die Versammlung stimmte diesem „Projekt“ bis auf eine Enthaltung zu. Präsident Martin Lötscher verdankte die willkommene Gabe im Namen der Gemeinde und orientierte über den Stand der Arbeiten. Der geschäftliche Teil dieser a.o.Burgerversammlung schloss mit Gratulationen an die erfolgreichen Winzer Damian und Jörg Seewer von der Kellerei „Leukersonne“, die auch die Rebberge der Burgerschaft bearbeitet, für den 1. Rang beim „Grand Prix des Vins Suisse“ bei den sortenreinen Rotweinen. Die Burgerschaft gratulierte auch dem erfolgreichen Eringerviehzüchter Diego Wyssen, der bekanntlich mit seiner Eringerkuh Tzigane im Mai dieses Jahres den Titel als „Reine des Reines“ am Nationalen Finale in Aproz erkämpfte.

Eine Analyse

Dr. Alois Grichting, Redaktor des Walliser Jahrbuches und ständiger Mitarbeiter des Walliser Boten, war vom Burgerrat zu einer Ansprache eingeladen worden. Er nutzte die Gelegenheit zu einer Analyse der Werte, die heute in unserer Gesellschaft zur Diskussion stehen. Er begann seine Ausführungen mit der Feststellung, dass das Fach Geschichte aus den Schulprogrammen verschwunden ist und auch keine eigene Note mehr erhält. Die Sensibilität für Geschichte erwache in unserer Medienlandschaft meistens nur, wenn es gelte, Übeltaten nachzuweisen. Die Geschichtsschreibung selbst verniedliche und verurteile z.B: im Bergier-Bericht die  Entscheide, die zur Kriegszeit der Vierzigerjahre gefällt wurden. Das Walliser Jahrbuch, das durch Internet, Veränderungen in der Landwirtschaft, Abnahme der Leseneigung der Jugend usw. konkurrenziert ist, bemüht sich gegenwärtig bei kleinerer Auflage, als Kulturschrift gerade noch tragbar zu bleiben. Herr Grichting kritisierte anderseits die vollständige Ökonomisierung der Schule und die Anklagen, die gewissen Burgergemeinden im Wallis wirtschaftliche Unfähigkeit vorwerfen und gar Auflösung der Burgerschaften verlangen. Burgerschaften sind nach Meinung des Referenten auf jeden Fall zu erhalten, weil sie Solidarität pflegen und kulturell in unseren Dörfern aktiv sind – wie dies gerade die Burgerschaft Leuk zeige. Abzulehnen sei auch ein übertriebener Zentralismus, der alles „aus Sitten“ regeln will. Es gebe im Lande nicht nur Burger-, sondern auch „Bezirksgemeinschaften“ und „Bezirksgefühle“, die nicht durch einen völlig zentralisierten, bezirkslosen und farblosen Staat zu überfahren sind. Für die Pflege dieses Bezirksgeistes sieht der Referent auch die Erhaltung und Neu-Aufwertung des Präfekten-Amtes, das nicht in als Folge eines einzigen Versagens und aus finanziellen Gründen aufgehoben werden sollte. Das Referat endete mit einer Wertschätzung der Burgerschaften und mit einem Appell an die Solidarität unter den Burgerschaften, die in einer Zeit des Umbruchs und auch weitgehender weltanschaulicher Leere gerade der Jugend verstärkt Heimat sein können. Guter Wein und das von den Neuburgern offerierte Z‘Vieri schloss sich diesen weitreichenden Ausführungen an.